
Anhalt-Bitterfeld / Zerbst / Dessau
Barocke Anlage im Gutspark verbindet Gartenkunst, Natur und regionale Geschichte – Förderverein sichert Pflege und öffnet die Anlage von April bis Oktober für Besucher
Für Pflege und Erhalt der Anlage engagiert sich seit Juni 2001 der Förderverein Irrgarten Altjeßnitz. Die Mitglieder sichern mit ihrer Arbeit den Bestand des historischen Parks und entwickeln ihn weiter. Zu den Maßnahmen zählen die Versorgung der Hainbuchenhecken sowie Neuanpflanzungen. In jüngster Zeit wurden 50 neue Bäume gesetzt und der Park auf die Wintermonate vorbereitet. Damit bleibt die Anlage nicht nur erhalten, sondern wird zugleich als Ort für Veranstaltungen genutzt.
Im Jahresverlauf organisiert der Verein mehrere Angebote. Dazu gehören ein Muttertagsfest, eine Sommerserenade, ein kleiner Bauernmarkt sowie der Barocke Gartentag. Bei dieser Veranstaltung treten historische Figuren auf und greifen die Geschichte der Anlage auf. Besucher erhalten so Einblicke in die Nutzung und Bedeutung des Parks über verschiedene Zeiträume hinweg.
Geöffnet ist der Park vom 1. April bis 31. Oktober. Mittwochs bis freitags ist der Zutritt von 14 bis 18 Uhr möglich, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. In den Ferien in Sachsen-Anhalt gelten tägliche Öffnungszeiten. Gruppen können sich vorab anmelden.

Ein Beitrag von
Thomas Schmidt
Altjeßnitz. Mitten im Gutspark Altjeßnitz lenkt ein ungewöhnliches Gartendenkmal die Aufmerksamkeit auf sich: der Irrgarten. Die Anlage gilt als ältester und größter erhaltener barocker Hecken-Irrgarten Deutschlands. Auf rund 2.600 Quadratmetern führen schmale, verschlungene Wege durch ein dichtes System aus Hainbuchenhecken, die bis zu zwei Meter hochwachsen. Wer sich durch die Anlage bewegt, muss Entscheidungen treffen, Wege verwerfen und neu ansetzen. Im Zentrum wartet ein erhöhter Aussichtspunkt, der einen Überblick über das Labyrinth, den Park und die umliegende Landschaft ermöglicht.
Die Entstehung reicht bis ins ausgehende 17. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1694 erwirbt Freiherr Hans Adam von Ende das damalige Rittergut aus dem Besitz der Herren von Reppichow und lässt es zu einem barocken Landsitz ausbauen. Zwischen 1730 und 1749 entsteht nach einem Entwurf des Gartentheoretikers Peschel der Irrgarten. Die Anlage zählt zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieser Form barocker Gartenkunst in Deutschland. Bis 1945 bleibt das Ensemble im Besitz der Familie von Ende. Heute erinnern Nebengebäude und ein Torturm am Eingang an das frühere Schloss, während wesentliche Strukturen des Parks erhalten geblieben sind.
Der Irrgarten ist eingebettet in einen rund vier Hektar großen Landschaftspark, der unterschiedliche historische Ebenen vereint. Inmitten des Geländes steht eine romanische Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert, die einen deutlichen Kontrast zur barocken Gestaltung bildet. Darüber hinaus prägen verschiedene Gehölze das Erscheinungsbild, darunter Esskastanien, Tulpenbäume und Trompetenbäume.

Der historische Irrgarten Altjeßnitz aus der Vogelperspektive: Deutschlands ältester barocker Heckengarten zeigt
seine beeindruckende Symmetrie.
© Thomas Ruttke