
Salzlandkreis
Es summt und duftet auf der Nonnenwiese in Aschersleben. Die Apfelbäume stehen in voller Blüte, darunter viele alte Sorten wie Boskoop, Geheimrat von Oldenburg oder Jonagold. Sie gedeihen gut neben Nashis und neueren Apfelsorten.

Geerntet wird an zwei, drei Tagen rund um den 3. Oktober
Neustart der Plantage im Jahr 2015
Alle Versuche, die Plantage an eine geeignete biologisch produzierende Landwirtschaft abzugeben, scheiterten mangels Interesses. Deshalb übernahm Schwiegersohn Florian Gaube die Plantage. Er führt den Betrieb im Sinne des Gründers weiter.
Ein radikaler Schnitt folgte 2023. Viele der niedrigstämmigen Bäume waren über 40 Jahre alt und brachten keine Erträge mehr. Gleichzeitig gab der Nachbar sein Grundstück auf. Da ergab sich die Chance, ein zweites Flurstück hinzuzupachten und die gesamte Fläche mit neuen Bäumen aus der Biobaumschule Mauk zu bepflanzen.
Neu hinzu gekommen sind viele alte Apfelsorten wie Rote Sternrenette, Berner Rosenapfel, Seestermühler Zitronenapfel. Ergänzend wurden neue Sorten wie Natyra und Ladina gepflanzt, die einen sparsameren Einsatz von biologischen Pflanzenschutzmitteln ermöglichen.
Neu wurden ebenso Nashis ins Sortiment aufgenommen, eine Kreuzung zwischen Apfel und Birne. „Mit ihnen kommt in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes in die Obstschale“, erklärt Florian Gaube.
Zur Investition in die Zukunft der Bio-Plantage gehört auch ein neues Gebäude für Technik und Lager samt Aufenthaltsraum. Abnehmer der Früchte sind Direktkäufer zur Erntezeit an der Plantage sowie Einkaufsgenossenschaften in Wittenberg und Magdeburg. Die Nachfrage wächst, weil immer mehr Menschen eine geschmackliche Vielfalt an Apfelsorten favorisieren, die für sie bekömmlicher sind und seltener Allergien auslösen.
Umstellung auf Biobetrieb
Gründer der Apfelplantage war Bernhard Lampadius. Der Diplomgärtner absolvierte ebenso wie seine Frau Ingrid zu DDR-Zeiten sein Studium an der Humboldt-Universität Berlin. Er folgte seiner Frau, über die gemeinsame Station Freital bei Dresden, in ihre Heimat nach Aschersleben. Seine studentischen Forschungen im Obstbau setzte er privat auf dieser Plantage fort. Er suchte nach den günstigsten Sorten für diese Region. Seine wissenschaftlichen Erträge wendete er dann in der LPG „Gärtnerische Produktion“ an, in der er bis zur Wende als Brigadeleiter im Obstbau arbeitete.
Als einer der ersten Obstbauern stellte er die Produktion auf Bio um und entwickelte eigene Richtlinien für seine Plantage. Bewusst verzichtete er auf Kupfer zum Schutz der Bodenorganismen. Der Fachmann profitierte vom hochwertigen Bördeboden in einem von Kleingärten und Wanderwegen geprägten Gebiet - bis zu seinem Tod im Jahr 2015.

Ein Beitrag von
Falk Heidel
Eine beeindruckende Sortenvielfalt auf der historischen Apfelanlage Lampadius in Aschersleben. „Wir möchten eine geschmackliche Vielfalt bieten“, erklärt Betreiber Florian Gaube. Auf dem 7600 Quadratmeter großen Areal der Bioplantage am Rande der Stadt sind 36 Sorten jedes Jahr im Herbst zu ernten, etwa 2500 Bäume. „Natürlich per Hand und alles in einem sehr engen Erntefenster immer um den Tag der Deutschen Einheit herum“, ergänzt er. Das Erntefenster ist sehr eng - in der Regel zwei, drei Tage. Dann trifft sich die ganze Familie mit Freundeskreis zu einem Erntefest, um die reifen Früchte so schonend wie möglich zu ernten.
Die meisten Äpfel können vom Boden aus ohne Hilfsmittel gepflückt werden. Die angepflanzten Viertelstamm-Bäume werden im Gegensatz zu den Hochstamm-Exemplaren nur etwa zwei Meter groß. Jeder Baum ist so geschnitten, dass die meisten Früchte vom Boden her erreicht werden können. Beim jährlichen Baumschnitt gilt das Maß seiner Frau - kein Baum sollte höher sein als ihre ausgestreckte Hand. So können die eingespielten Teams rasch die Kisten füllen. Für die restlichen Früchte ganz oben in der Krone gibt es einen Pflückschlitten, der gut 40 Jahre alt ist. Der erfahrene Blick sortiert die Früchte. Die Äpfel brauchen einen Durchmesser um die 60 Millimeter und dürfen nur geringe Fehlstellen aufweisen. In den Verkauf der Frischware gehen nur die besten Früchte. Die Übrigen, ebenso wie das wenige Fallobst, wird in der Mansfelder Süßmostkelterei zu Apfelsaft gepresst.

Zu den Herausforderungen auf einer Obstplantage gehört auch die maschinelle Bodenbearbeitung.