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Sachsen-Anhalt

Wo jahrzehntelang Kohle, Chemie und klassische Industrie dominierten, entsteht in Sachsen-Anhalt Schritt für Schritt ein neuer ökonomischer Ansatz: die Bioökonomie. Das Verbundvorhaben "Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten" (DiP) vernetzt Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft – und zeigt, wie eine klimaneutrale, ressourceneffiziente Landwirtschaft aussehen kann.

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Ein Beitrag von
Nicole Kirbach

Wie sieht Sachsen-Anhalts Agrarwirtschaft in Zukunft aus? Was können die Landwirte den immer trockeneren Böden und Extremwetterereignissen entgegensetzen? Welche Potenziale bieten digitale Technologien? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen sich die aktuell 19 Projekte des DiP-Verbunds.

Das DiP ist kein einzelnes Bauprojekt, sondern ein Konzept, das mehrere Projekte bündelt. So sollen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe zusammengebracht werden. Dabei spielen digitale Technologien eine Schlüsselrolle: Durch sie lassen sich in der Landwirtschaft viele Bereiche, etwa beim Anbau und bei der Ernte, aber auch bereits bei den Themen Züchtung, Fruchtfolge und Düngung in den kommenden Jahren optimieren und entwickeln.

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Digitale Technologien sollen in Zukunft eine Schlüsselrolle in der Landwirtschaft spielen.

© Julia Ahanova - stock.adobe.com

Modellregion mit Signalwirkung

Mit einer Förderung von bis zu 105 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung zielt das Vorhaben darauf ab, den Strukturwandel im Mitteldeutschen Raum aktiv zu gestalten und die Region als Vorreiter für digitalisierte Bioökonomie zu etablieren.

Gelingt dieser Transformationsprozess, könnte das Land zeigen, wie eine ehemals fossile Industrieregion den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise schafft. Sachsen-Anhalt will seine regionalen Stärken nutzen und seine Tradition mit Innovation verbinden.

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Sachsen-Anhalt ist einer der wichtigsten deutschen Standorte für den Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen. Das DiP möchte diese Tradition ins digitale Zeitalter bringen.

© 打算朱 - stock.adobe.com

Regionale Stärken vor der Haustür

Gerade für ein Land wie Sachsen-Anhalt ist das mehr als ein ökologisches Ideal. Es ist eine strukturpolitische Notwendigkeit. Der Kohleausstieg, der per Gesetz bis spätestens zum Jahr 2038 umgesetzt sein muss, internationale Klimaziele und globaler Wettbewerbsdruck fordern neue wirtschaftliche Perspektiven.

Gleichzeitig verfügt das Bundesland über außergewöhnliche Voraussetzungen: große landwirtschaftliche Flächen, traditionsreiche Chemiestandorte, leistungsfähige Hochschulen und eine hohe Konzentration an international führenden Pflanzenforschungsinstituten.

„Durch den fortschreitenden Klimawandel mit all seinen Auswirkungen braucht insbesondere die Landwirtschaft kluge Lösungen. Gleichzeitig bietet der weitere Ausbau der Bioökonomie mit Fokus auf Digitalisierung auch große wirtschaftliche Potenziale für unser Land", sagt Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann. Ziel ist es, die regionale Wirtschaft zu stärken und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Der DiP-Ansatz knüpft direkt daran an: „Er fußt auf jahrzehntelanger Spitzenforschung rund um die Züchtung und den Anbau von Kulturpflanzen und um die Pflanzenbiochemie, zu denen in Sachsen-Anhalt vielfältige Kompetenzen gebündelt sind", so DiP-Sprecher Prof. Dr. Klaus Pillen von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In der Region seien beste Voraussetzungen sowie führende Wirtschaftspartner vorhanden, um bestehende Wertschöpfungsketten beispielgebend zu erweitern und neue aufzubauen.

Drei Leuchttürme

Die Arbeit der Projekte orientiert sich an drei sogenannten Leuchttürmen: Der erste widmet sich den Wertschöpfungsketten landwirtschaftlicher Kulturpflanzen. Im Fokus stehen klimaresistente Sorten wie Weizen und Zuckerrüben. Gleichzeitig untersuchen die Forschenden neue Verwertungsmöglichkeiten für Pflanzenreste und andere Wertstoffe, die als klimaneutrale Alternative zu erdölbasierten Produkten dienen können.

Der zweite Leuchtturm nimmt nachhaltige und klimaresiliente Anbausysteme in den Blick. Gemeinsam mit Landwirten, Kommunen und Unternehmen werden innovative Lösungen für die Agrarwirtschaft der Region entwickelt. Künstliche Intelligenz und Drohnen sollen dabei helfen, Wasser effizienter zu nutzen, die Bodengesundheit zu stärken und den Einsatz von Düngemitteln zu verringern.

Im dritten Leuchtturm geht es um neue Wertschöpfungsketten für sogenannte Sonderkulturen. Dazu zählen in Sachsen-Anhalt vor allem Kräuter, Arzneipflanzen sowie Obstbäume und -sträucher. Die Projekte erproben und entwickeln Nutzungsmöglichkeiten für klimaresistente Arten aus diesem Bereich. Zudem untersuchen sie, wie sich Reststoffe aus der Verarbeitung von Obst und Feldfrüchten weiterverwerten lassen.

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Drohnen sollen beispielsweise dabei helfen, Wasser effizienter zu nutzen und den Einsatz von Düngemitteln zu verringern.

© smalltinykid - stock.adobe.com

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