
Sachsen-Anhalt
Mit dem Projekt „DiP-SuSaKlim“ will die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Hülsenfrüchte als gesundes Lebensmittel etablieren und Pflanzen kultivieren, die mit dem Klimawandel langfristig zurechtkommen.

Ein Beitrag von
Nadja Reichert
Das Frühjahr bringt Farbe zurück in die Welt. Statt karger Äcker mit steifer Erde sieht man nun keimende Felder, auf denen die Ernte des Jahres ausgesät wird oder langsam anfängt zu keimen. Wer sich in der Region Merbitz/Wettin-Löbejün aufhält, sieht vielleicht Gruppen von Menschen, die sich um Felder kümmern, auf denen kein Korn angepflanzt wird – sondern Hülsenfrüchte. Rispenhirse, Hafer, die Ölpflanzen Öllein, Saflor, Senf und die Hülsenfrüchte Soja, Trockenbohnen und Erbsen werden in Merbitz herangezüchtet. Diese gelten bereits als „Superfood“. In der Region Merbitz/Wettin-Löbejün geht man noch weiter.
Die Idee des aktuellen Projekts „DiP-SuSaKlim“ geht nun noch weiter. Die Universität hat ein Foodlab als Experimentalküche eingerichtet. Hier arbeitet das Team mit Ernährungswissenschaftlern zusammen, analysiert die Kulturen des Versuchsfelds und entwickelt dann innovative Lebensmittel. „Dabei stehen für uns neben Ölfrüchten und Cerealien vor allem die Hülsenfrüchte im Mittelpunkt unserer Arbeit“, erklärt die Projektleiterin. „Ihre hochwertigen Eiweißstrukturen bieten das Potential gesunde Lebensmittel auf Basis pflanzlicher Proteine zu entwickeln und produzieren.“ Deshalb ist das Foodlab ein solcher Gewinn. Die Exaktversuche können Praxis und Theorie vergleichen, die Erkenntnisse in der Vermarktung aus dem Vorgängerprojekt auf neue Regionen ausgeweitet werden. „Ein sehr positiver Punkt ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Universität mit unterschiedlichen Fachbereichen von der Bodenbiogeochemie über die Tierernährung bis zur Lebensmittelchemie“, betont Urte Grauwinkel abschließend. „Hier kann sehr viel Wissen für die Zukunft generiert werden, um eine Transformation und den Strukturwandel voranzubringen.“

Auf den Feldern in Merbitz werden verschiedene Hülsenfrüchte angebaut, um die Anpassung der Pflanzen an das sich wandelnde Klima zu untersuchen und „Superfood“ zu kultivieren.
© Universität Halle (Saale)/Heiko Rebsch
Das Projekt „DiP-SuSaKlim“ von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat das Ziel, im südlichen Sachsen-Anhalt nachhaltige Agrarwirtschaft herauszufinden, wie sich die Pflanzen dem wandelnden Klima anpassen können. „Dabei wird über einen Zeitraum von fünf Jahren die Wirkung der Kulturen auf den Boden gemessen. So untersuchen wir mit Bodenproben das Nährstoffmanagement. Mittels Bodensonden wird regelmäßig die Bodenfeuchte bis zu 1 m in der Tiefe erfasst“, erklärt Projektleiterin Dipl. Agr. Ing.,Umweltwiss. Urte Grauwinkel. Die Versuche für dieses Projekt begannen im Regenschatten des Harzes statt. Das bedeutet, dort liegt die Niederschlagsmenge unter dem deutschen Durchschnitt. „Hinzu kommen lange Frühjahrstrockenheit, was für die Sommeraussaat problematisch wird, sowie Unwetter- und Starkregenereignisse im Sommer“, fährt Urte Grauwinkel fort. „Auf diese Situation muss sich die Landwirtschaft in den nächsten Jahren zunehmend einstellen und dazu brauchen wir neue Kulturarten und Anbauempfehlungen, da die bisherigen neu gedacht werden müssen.“
Superfood Hülsenfrüchte
Wenn das Getreide unter den Wetterbedingungen leidet und Landwirte mit geringeren oder gar ausfallenden Ernten rechnen müssen, bedeutet dies Nachteile für die Versorgung der Bevölkerung. Abhilfe sollen daher Hülsenfrüchte schaffen, da diese Nährstoffe und Mineralien enthalten, die sich positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken können. „Quinoa ist reich an Eiweiß und essenziellen Aminosäuren, Ballaststoffen und Mineralien wie Eisen, Magnesium und Zink. Kichererbsen enthalten hochwertige pflanzliche Proteine, Eisen, B-Vitamine und Calcium“, nennt Urte Grauwinkel zwei Beispiele. Das Projekt „DiP-SuSaKlim“ baut daher diese und weitere Kulturen von Hülsenfrüchten in Demonstrationsparzellen an, um die Anbauwürdigkeit im südlichen Sachsen-Anhalt zu testen – vor allem, wie anfällig die Kulturen für Krankheiten und Insektenbefall sind. Für ihre Forschungen arbeiten die Wissenschaftler der Universität mit Landwirtschaftsbetrieben vor allem in den Landkreisen zusammen, die durch den Strukturwandel betroffen sind und Arbeitsplätze im Bereich der Kohleförderung wegfallen. Zudem wird die Universität mit Mitteln aus dem Strukturwandelfond unterstützt. So hat sich ein DIP-Konsortium von 19 Projekten zusammengeschlossen, die für eine starke Region forschen.
Langfristige Produktion gesunder Lebensmittel
Entstanden ist das Projekt „DiP-SuSaKlim“ aus der Initiative „Zukunftsspeisen“, die bis 2023 lief und wichtige Grundlagen für die aktuelle Forschung legte. „Wir arbeiteten mit Landwirtschaftsbetrieben zusammen, die Quinoa, Hirse, Kichererbsen und Hanf anbauten und hatten Angebote für Großküchen, um die Produkte zu verarbeiten. Dort stand die Praxisforschung im Vordergrund“, berichtet Grauwinkel weiter. Die Erkenntnisse wurden und werden direkt für die Öffentlichkeit bereitgestellt. Was Hülsenfrüchte für die Ernährung leisten können und wie jeder sie in den Alltag integrieren kann, erfährt man in einem Blog unter www.zukunftsspeisen.de Dort gibt es aus Rezepten zum Nachkochen.

In den Versuchsküchen des Foodlabs der Martin-Luther-Universität Halle (Saale) werden die gezüchteten Hülsenfruchtkulturen des Versuchsfelds zuerst analysiert und dann aus ihnen innovative Lebensmittel entwickelt.
© Universität Halle (Saale)/Anna Kolata

© Universität Halle (Saale)/Heiko Rebsch
Das Projekt „DiP-SuSaKlim“ gehört zu einem Konsortium aus 19 Projekten, dem sogenannten DIP-Konsortium (DiP ist kurz für Digitalisierung der pflanzlichen Wertschöpfungskette). Der DiP-Verbund hat im südlichen Sachsen-Anhalt eine Modellregion für eine digitalisierte, klimaneutrale und wettbewerbsfähige Bioökonomie aufgebaut, mit dem Ziel, die Potenziale der Agrarwirtschaft vor Ort weiterzuentwickeln, die sich pflanzlichen Wertschöpfungsketten, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.