
Altmark
In Klötze entsteht Zukunft im Glasröhrensystem: Deutschlands größte Mikroalgenkulturanlage zeigt, wie aus Licht, CO₂ und Hightech wertvolle Nährstoffe gewonnen werden – nachhaltig, effizient und im industriellen Maßstab.

Das getrocknete Algenpulver kann verschiedenen Lebensmitteln, in diesem Fall Nudeln, zugesetzt werden.
Foto: Henning Lehmann
Nach der Ernte werden die Algen schonend verarbeitet. Trocknung und Weiterverarbeitung erfolgen unter strengen Qualitätskontrollen, um die empfindlichen Inhaltsstoffe zu bewahren. Das Ergebnis sind Pulver, Tabletten oder Kapseln, die als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet werden. Dabei steht weniger der Trendgedanke im Vordergrund als vielmehr der Anspruch, wissenschaftlich fundierte Produkte zu entwickeln, die einen Beitrag zu ausgewogener Ernährung leisten können.
Innovation zeigt sich in Klötze auch in ökologischer Hinsicht. Mikroalgen benötigen im Vergleich zu vielen landwirtschaftlichen Kulturen deutlich weniger Fläche. Sie wachsen schnell, binden CO₂ und wandeln es mithilfe von Sonnenlicht in Biomasse um. In geschlossenen Systemen lässt sich Wasser effizient recyceln. Damit verbindet die Technologie wirtschaftliche Produktion mit einem vergleichsweise geringen ökologischen Fußabdruck.
Zugleich ist die Anlage ein Beispiel dafür, wie ländliche Räume zu Standorten zukunftsweisender Technologien werden können. Hochspezialisierte Arbeitsplätze entstehen nicht nur in Metropolen, sondern auch in strukturschwächeren Regionen. Forschung, Entwicklung und industrielle Praxis greifen ineinander. Die Produktion von Mikroalgen ist dabei kein Nischenprojekt mehr, sondern Teil einer wachsenden Bioökonomie.
Mikroalgen gelten als wahre Nährstoffpakete. Chlorella ist bekannt für ihren hohen Gehalt an Chlorophyll, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Spirulina liefert ebenfalls hochwertige pflanzliche Proteine sowie Spurenelemente. Bestimmte Algenarten produzieren zudem Omega-3-Fettsäuren, die sonst vor allem mit Fischöl in Verbindung gebracht werden. Die Kultivierung von Mikroalgen bietet hier eine pflanzliche, nachhaltige Alternative – ohne Überfischung der Meere.
Der Blick in die Zukunft zeigt weiteres Potenzial: Mikroalgen könnten perspektivisch nicht nur in Nahrungsergänzungsmitteln, sondern auch in funktionellen Lebensmitteln, Tierfutter, Kosmetik oder sogar in der Energiegewinnung eine Rolle spielen. Ihre Fähigkeit, wertvolle Inhaltsstoffe effizient zu produzieren, macht sie zu einem vielseitigen Rohstoff der Zukunft. Deutschlands größte Mikroalgenkulturanlage in Klötze steht somit exemplarisch für einen Wandel in der Lebensmittel- und Rohstoffproduktion.
Seit 2000 läuft in Klötze die Produktion von Mikroalgen. In Glasröhren, die insgesamt 500 Kilometer lang sind, vermehren sich die Einzeller. Zu Beginn werden die Röhren mit Wasser aus der eigenen Quelle gefüllt. Danach werden Nährstoffe und die eigens gezüchteten Algen-Starterkulturen zugegeben und das Wachstum beginnt. Nach fünf bis sieben Tagen beginnt die Ernte.

Ein Beitrag von
Marco Heide
In der Altmark, am Rand der Kleinstadt Klötze, befindet sich eine Anlage, die in ihrer Dimension und technologischen Ausrichtung deutschlandweit Maßstäbe setzt: Deutschlands größte Mikroalgenkulturanlage. Hier wird sichtbar, welches Potenzial in winzigen Organismen steckt – und wie moderne Biotechnologie Antworten auf Fragen von Ernährung, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz geben kann.
Im Zentrum steht nicht allein ein Unternehmen, sondern die Innovation selbst. In weitläufigen, geschlossenen Glasröhrensystemen wachsen Mikroalgen unter kontrollierten Bedingungen heran. Licht, Temperatur, Nährstoffzufuhr und CO₂-Gehalt werden präzise gesteuert. Das Ziel: optimale Wachstumsbedingungen für Kulturen wie Chlorella und Spirulina, die seit Jahren als besonders nährstoffreich gelten. Ergänzt wird das Portfolio durch Algen mit hohem Gehalt an wertvollen Omega-3-Fettsäuren.
Die Besonderheit der Anlage liegt in ihrer Kombination aus industriellem Maßstab und geschlossener Produktion. Anders als bei offenen Teichsystemen sind die Kulturen in transparenten Röhren vor äußeren Einflüssen geschützt. Verunreinigungen lassen sich so minimieren, gleichzeitig wird eine gleichbleibend hohe Qualität gewährleistet. Das System erlaubt eine ganzjährige Produktion – unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Gerade in Zeiten schwankender globaler Lieferketten ist diese Planbarkeit ein entscheidender Vorteil.

Jörg Ullmann ist Geschäftsführer der Algenfarm. Die Glasröhren sind insgesamt 500 Kilometer lang.
Foto: Siegmar Riedel