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Halle / Saalekreis

Als Bau- und Dämmstoff ist Nutzhanf bestens geeignet. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität wollen die Qualitätssicherung beim Hanfanbau optimieren und damit auch den Strukturwandel in Mitteldeutschland fördern.

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Am Rande von Merbitz betriebt die Martin-Luther-Universität einen Versuchsstandort für den Anbau von Nutzhanf.

© Rennebaum

Verarbeitungsanlage im Geiseltal

Der Hanfexperte Rennebaum, der auch Aufsichtsrat der Hanffaser Geiseltal eG mit Sitz in Mücheln ist, sieht gute Chancen, die Position des Mitteldeutschen Reviers als Innovationsstandort für digitale Landwirtschaft zu stärken. Aufbauend und begleitend zur wissenschaftlichen Arbeit an der MLU entsteht derzeit im Geiseltal unter Regie der Genossenschaft eine Verarbeitungsanlage für Nutzhanf, die die neuen Erkenntnisse und Technologien einsetzen wird, um hochwertige Bau- und Dämmstoffe aus hiesigem Hanf herzustellen. Dafür soll eine Anbaufläche von angestrebten 600 Hektar im Umkreis von 50 Kilometern von regionalen Landwirten bewirtschaftet werden. Optimale Anbaulösungen und digitale Werkzeuge sollen dabei die Qualität und Wirtschaftlichkeit über die gesamte Wertschöpfungskette sichern.

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Ein Beitrag von
Wolfgang Zerfass

Schon die alten Chinesen nutzten Hanffasern zur Herstellung von Seilen. In späteren Jahrhunderten erlangte der Nutzhanf große Verbreitung in der Schifffahrt, andererseits als Material für Bekleidung oder zur Herstellung von Papier. Und noch heute werden die Hanffasern, die Schäben (der holzige Kern des Pflanzenstängels) und die Samen industriell genutzt – als Dämmstoffe für die Bauindustrie und in naturfaserverstärkten Kunststoffen etwa.

Da liegt es auf der Hand, dass auch die Wissenschaft sich intensiv mit der Pflanze beschäftigt. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) treibt man seit 2024 ein Projekt zur Qualitätssicherung beim Hanfanbau voran, das den Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier begleiten soll. Das Vorhaben ist Teil des Bundesprogramms DiP (Digitalisierung in den pflanzlichen Wertschöpfungsketten) und hat Fördergelder aus verschiedenen Quellen mobilisieren können.

Welche Sorten wo anbauen

Worum es im Detail geht, erläutert Heinrich Rennebaum, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU: „Durch den mehrjährigen Versuchsanbau in Merbitz (Saalekreis) – der Förderzeitraum ist bis Ende 2028 veranschlagt – sollen für die Erzeugung von Qualitätshanf Empfehlungen zu widerstandsfähigen Hanfsorten und Anbaumethoden entwickelt werden.“ Untersucht werden unter anderem, welche Hanfsorten für die Verarbeitung zu Baustoffen wie Dämmmaterialien, Fugenband oder Trockenbauplatten überhaupt geeignet sind, wie die Aussaatdichte zu wählen ist, welche Bodenqualitäten zu empfehlen sind und anderes mehr. Das Augenmerk ist dabei auch auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen im mitteldeutschen Trockengebiet gerichtet.

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Heinrich Rennebaum beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Nutzhanf.

© Wolfgang Zerfass

Hanf gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. Schon im ersten Jahrhundert vor Christus wurde Hanf in Asien angebaut. Jenseits der Verwendung als Rausch-  oder Arzneimittel haben verschiedene Sorten der Gattung Cannabis wieder zunehmende Bedeutung als Nutzpflanze erlangt. Nachdem der Anbau hierzulande Jahrzehnte lang verboten war, ist er seit 1996 auch in Deutschland wieder gestattet. Mehr als hundert Nutzhanfsorten sind in der EU zum Anbau zugelassen, die zudem einen Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) von weniger als 0,3 Prozent aufweisen müssen. 

Feldröste per Smartphone beurteilen

Entscheidend für die erfolgreiche Vermarktung durch die Landwirte ist eine genaue Qualitätsbewertung, die sich allerdings bislang nur auf Erfahrungswerte und subjektive Beurteilungen stützen kann. Im Rahmen des DiP-iQ-Hanf-Projektes haben sich Professorin Dr. Janna Macholdt, Lehrstuhl für Allgemeinen Pflanzenbau und Ökologischen Landbau am Institut, und der Agrar-Wissenschaftler Rennebaum Verstärkung aus dem Institut für Informatik geholt. Dort wird mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ein innovatives Bildanalyseverfahren für eine Nutzung per Smartphone entwickelt, um Qualitätsparameter, wie den optimalen Röstzustand, die Verrottung, des Hanfstrohs sowie verarbeiteter Hanffasern und Schäben, automatisch zu beurteilen und zu klassifizieren.

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