
Anhalt-Bitterfeld / Zerbst / Dessau
Warum Rainer Lippert seit 40 Jahren Deutschlands mächtigste Eichen dokumentiert und was es mit der tausendjährigen Eiche bei Lietzo im Landkreis Anhalt-Bitterfeld auf sich hat.
Weitere Informationen und einen Flyer zum „Rundwanderweg Lindau im Naturpark Fläming/Sachsen-Anhalt“ gibt es in der Tourist-Information der Stadt Zerbst/Anhalt.
Stadt Zerbst/Anhalt
Tourist-Information
Naturpark Fläming e.V.
Schloßstraße 13
06869 Coswig (Anhalt)
Tel. 03 49 03 59 56 00
Monumentale Eichen von Rainer Lippert:
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Anne Höppner und ihr Team bieten in der Schloßfreiheit 12 in Zerbst noch viel mehr Tipps und Materialien für Wander- und Radtouren.
© Anke Katte
Viele alte Eichen sind stille Zeitzeugen – einige tragen jahrhundertealte Mythen oder belegbare historische Ereignisse in sich. Besonders beeindruckt ist Lippert von zwei Exemplaren: Die Femeiche von Erle (Nordrhein-Westfalen) – einer der bekanntesten Gerichtsorte Mitteleuropas, seit rund 600 Jahren nachweislich genutzt und die Grabeiche von Nöbdenitz (Thüringen) – einzigartig in Europa, weil sich im Inneren der hohlen Eiche eine Grabstätte befindet. Beide Giganten gehören mit über zehn Metern Umfang zu den mächtigsten und ältesten Eichen des Kontinents.
Die Bezeichnung „tausendjährig“ ist in Deutschland Tradition – aber selten wissenschaftlich haltbar. „Nachweislich gibt es keinen Baum in Deutschland, der 1.000 Jahre alt ist“, sagt Lippert. Die mächtigsten Eichen wachsen jährlich etwa zwei Zentimeter im Umfang. Eine Eiche mit sechs Metern Umfang kommt so rechnerisch auf rund 300 Jahre.
Auch die sogenannte Tausendjährige Eiche bei Lietzo (Sachsen-Anhalt) gehört dazu: ein beeindruckendes, aber historisch keineswegs einzigartiges Exemplar. Lietzo ist ein kleiner Ortsteil von Lindau, welches zur Stadt Zerbst/Anhalt gehört. Die Eiche ist gut versteckt mitten im Wald, den es bei einer zu jeder Jahreszeit schönen Rundwanderung ab Lindau zu entdecken gilt.
Der Rundweg ist eine familienfreundliche Entdeckungstour durch die Landschaft des Hohen Flämings. Auf gut fünf Kilometern führt er von der Burg Lindau entlang der idyllischen Nuthe, die hier zu den besonders geschützten „Oberen Nuthe-Läufen“ gehört.
Nach einem kurzen Abschnitt an der wenig befahrenen Straße passiert man die eindrucksvolle Ruine des ehemaligen Eisenmoorbad Lindau, bevor der Weg in einen abwechslungsreichen Mischwald führt. Alte Eichen, Lärchen und Kiefern erzählen von der Forstgeschichte.
Höhepunkt der Tour ist der Teufelsstein: ein rund 30 Tonnen schwerer Findling, der während der Saalekaltzeit aus Skandinavien in den Fläming gelangte. Der Rückweg führt über die gepflasterte Straße zwischen Lietzo und Lindau zurück ins Dorf, vorbei am alten Moorbad, der Nuthe, dem Bärendenkmal und der spätromanischen Kirche, bis man wieder die Burg erreicht.

Die Burganlage Lindau mit ihrem charakteristischen Bergfried.
© Tourist-Information Zerbst/Anhalt, L-G. Schlegel

Ein Beitrag von
Anke Katte
Wenn Rainer Lippert von Eichen spricht, klingt es, als spräche er von alten Bekannten. Manche begleitet er seit seiner Kindheit – andere muss er erst finden, manchmal tief im Wald, manchmal auf einer Lichtung, verborgen in einer Auenlandschaft oder mitten in einem Dorf. 1.500 monumentale Eichen mit über sechs Metern Stammumfang hat er inzwischen auf seiner eigenen Plattform dokumentiert. Was treibt einen Menschen an, eine solche Lebensaufgabe zu verfolgen?
Einen konkreten Auslöser gab es nie. „Ich interessiere mich für alte Bäume, solange ich mich erinnern kann“, sagt Lippert. Schon mit 14 Jahren radelte er durch die Region, Maßband im Gepäck, um riesige Bäume zu vermessen. „Das mache ich jetzt seit knapp 40 Jahren – mal intensiver, mal weniger. Es ist nur ein Hobby.“ Eines das zu einem der bedeutendsten privaten Naturarchive Deutschlands geworden ist.
Lipperts digitale Sammlung wuchs über Jahre, bis sie irgendwann unübersichtlich wurde. Zuvor hatte er viele Funde auf der internationalen Plattform „Monumentaltrees“ erfasst – doch als diese nicht mehr gepflegt wurde und technische Probleme hatte, war klar: Eine eigene Website musste her. Auf monumentale-eichen.de sammelt er heute systematisch alle Eichen in Deutschland, die einen Umfang von mindestens sechs Metern erreichen oder in historischer Literatur erwähnt werden. „Rund 300 Exemplare fehlen mir noch – vielleicht etwas mehr“, schätzt er.
Auch andere Baumfreunde tragen zum Projekt bei. Hinweise, Fotos und Messungen von Besucherinnen und Besuchern werden in der Rubrik Fremdmeldungen veröffentlicht. Und es gibt Ausnahmen: Besonders schöne oder geschichtlich herausragende Eichen schafft Lippert auch dann ins Archiv, wenn sie die Sechs-Meter-Marke noch nicht erreicht haben.
Gemessen wird mit klassischen Mitteln: einem Maßband für den Stammumfang und einem professionellen Lasermessgerät für die Höhe.

Die Litzoer Eiche ist auch im Winter beeindruckend.
© Lysan Papenroth