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Wittenberg

Viele deutsche Städte ächzen unter den Auswirkungen des Klimawandels. Auch die Lutherstadt Wittenberg verzeichnet aktuell einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen um zwei Grad Celsius, bei einer deutlich nach oben zeigenden Tendenz. Um die damit verbundenen Folgen für Einwohner und Besucher etwas zu lindern, geht man in Wittenberg eine Partnerschaft mit der ältesten Landpflanze der Erde ein - dem Moos.

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Ein Beitrag von
Sven Gückel

Etwas futuristisch, ja künstlerisch wirken die zwei hölzernen Türme auf den ersten Blick. Dabei ahnt wohl kaum jemand, was sich in ihrem Inneren verbirgt und was sie auf einzigartige Weise zu schaffen vermögen. „Den Klimawandel mit seinen Auswirkungen spüren wir natürlich auch in Wittenberg. Allerdings ist es nicht ganz einfach, inmitten einer denkmalgeschützten Stadt, deren Altstadt zudem noch als Flächendenkmal deklariert ist, zur Linderung des Problems einfach neue Bäume zu pflanzen”, verdeutlicht Wittenbergs Klimaschutzmanagerin Aileen Jenau. Versiegelte Flächen, unterirdisch verlegte Medien und, für eine Stadt mit langer Geschichte nicht unüblich, etlichen unterirdischen Hohlräumen und Gewölben, behindern oftmals den guten Willen zum Handeln.

 

Die Suche nach Lösungen gab man in Wittenberg dennoch nicht auf. Fündig wurde man bei der Firma Green City Solutions aus Brandenburg. Das Unternehmen, gegründet vor wenigen Jahren durch Peter Sänger und Liang Wu, hat sich zum Ziel gesetzt, Geschenke von Mutter Natur, in Kombination mit moderner IT, für den Menschen nutzbar zu machen. „Schon 2013 als Studenten entwickelten wir die Idee, dem Klimawandel, auch wenn er damals noch nicht so komplex im Fokus stand, etwas entgegenzusetzen. Als Gartenbauingenieur erschien mir Moos dabei ein probates Mittel. Liang wiederum brachte als IT-Fachmann die technische Komponente ein und unser CityTree war geboren”, berichtet Sänger.

Zwanzig Mitarbeiter zählt das Unternehmen heute und verkauft sein Produkt in unterschiedlichsten Bauweisen europaweit. Städte wie Wittenberg profitieren davon, aber auch Großraumbüros und Einkaufszentren, ja sogar Seniorenheime schwören mittlerweile auf die Innovation, deren Konzept so simpel wie genial ist. Über einen Ventilator wird die Umgebungsluft angesaugt und im Inneren der Anlage durch mehrere mit Moos besetzte Platten geleitet. Dieses filtert die Schadstoffe heraus und gibt die gereinigte und zugleich gekühlte Luft wieder ab.

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It‘s cool! An den Anlagen montierte Sitzbänke und Pflanzkübel laden die Besucher Wittenbergs zum direkten Verweilen am CityTree ein. Gerade an heißen Tagen ist das ein wahrhafter Genuss, kühlt die Anlage die unmittelbare Umgebungstemperatur doch um nachweislich vier bis acht Grad Celsius. 

© Sven Gückel

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© Green City Solutions

Damit das Moos diese Arbeit verrichten kann, wird es durch einen feinen Wasserfilm regelmäßig befeuchtet. „Seit der Inbetriebnahme unserer zwei CityTrees Ende Juli 2025 wurden etwa 36.400.000 Kubikmeter Luft gefiltert. Das entspricht der Atemluft von 3.239.500 Menschen am Tag”, verdeutlicht Jenau. Gleichzeitig konnten der Wittenberger Umluft 116,5 Gramm Feinstaub entnommen werden, was der Schadluft von zirka 6.500 Zigaretten entspricht. „Eine Anlage”, ergänzt Stefan Polzer, Sachgebietsleiter für Stadt-, Verkehrs- und Landschaftsentwicklung der Stadt Wittenberg, „erbringt die Filterleistung von 81 neu gepflanzten Bäumen.” Gern würde man noch mehr solcher Anlagen in der Lutherstadt installieren, was aber aus den oben benannten Gründen nicht ganz einfach ist.

Umso mehr erfreut man sich an den Arbeitsleistungen der beiden existierenden Modelle. Deren aktuelle Filterleistung ist für Jedermann auf der Homepage Wittenberg einsehbar. Die Kosten der Anschaffung beliefen sich übrigens auf 136 000 Euro und wurden durch Bund und Land bezuschusst.

Echte Bäume, dessen ist sich auch Aileen Jenau bewusst, können die CityTrees natürlich nicht ersetzen. „Die zu pflanzen, hat natürlich nach wie vor die höhere Priorität. Aber angesichts dessen, dass auch die Pflanzen es zunehmend schwerer haben bei steigenden Temperaturen und Trockenheit, ist die technische Lösung eine gute Alternative”, sagt sie.

 

Das weiß auch Peter Sänger und forscht mit seinen Mitarbeitern weiter an innovativen Lösungswegen, dank derer die Menschen trotz des Klimawandels etwas unbeschwerter leben können.

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