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Anhalt-Bitterfeld / Zerbst / Dessau

Zwischen Feldern und Fahrbahn steht in Prosigk ein Automat, der Hoffnung blühen lässt: gefüllt mit Sträußen, gebunden von einer Floristin, die nie aufgehört hat, an ihren Traum zu glauben.

Kontakt:

Bärbels Blumenlädchen

Telefon: 0159 06565770

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Gut geschützt unter einem kleinen Holzunterstand steht der Prosigker Blumenautomat bereit: rund um die Uhr gefüllt mit frischen Sträußen.

© Torsten Waschinski

Die Kundschaft weiß das Angebot zu schätzen. Die Preise liegen mittlerweile marktüblich bei 15 bis 20 Euro. Rund 20 bis 25 Sträuße verlassen den Automaten pro Woche, an bestimmten Tagen aber vervielfacht sich die Nachfrage. Zu den großen Spitzentagen – Valentinstag, Frauentag, Muttertag – bleibt der Automat oft keine Stunde lang gut gefüllt. Mehrfach am Tag muss nachgelegt werden, manchmal viermal hintereinander. Und nicht nur tagsüber: Auch nachts, um eins oder zwei, registriert die Online-Überwachung spontane Käufe.

Manches bleibt dennoch mühsam. Nach dem Einbruch häuften sich technische Probleme: Die Kartenzahlung fiel aus, der Geldscheinleser streikte. Erst ein Techniker von Bachmann Automaten aus Köthen brachte die Anlage dauerhaft zum Laufen. Zwei Sträuße pro Woche müssen im Schnitt aussortiert werden. Und wenn eine Kundin unzufrieden ist, nimmt Wiebusch die Sache ernst, ruft zurück, klärt Missverständnisse – immer mit dem Anspruch, fair und aufrichtig zu bleiben.

Trotz der hohen Investition von 18.000 Euro bereuen die beiden den Schritt nicht. Der Automat trägt sich selbst, ein kleines Plus bleibt, auch wenn Wiebusch im Hauptberuf weiterhin in als Verkäuferin arbeitet. Die Floristik aber bleibt ihre Leidenschaft. Viele Stammkunden aus Köthen bestellen weiterhin telefonisch oder per WhatsApp und holen ihre Sträuße persönlich ab – ein Zeichen dafür, dass die Bindung trotz Standortwechsel nie abgerissen ist.

Damit der Automat künftig sicherer wird, soll er eine neue Schutzverkleidung mit Jalousie erhalten. Die jetzigen Seitenplatten schützen nur vor Wind und Wetter; bald soll eine stabile Front dafür sorgen, dass Einbrüche noch unattraktiver werden – und das Ehepaar vielleicht einmal Urlaub machen kann, während der Automat ebenso eine Pause einlegt.

Bis dahin leuchtet er weiter am Prosigker Ortsausgang, zwischen Alltag und Fernverkehr, ein stiller Botschafter für Handwerksliebe und Durchhaltewillen. Ein Ort, an dem Blumen nie schlafen – und an dem man spürt, wie viel Herz in jedem Strauß steckt.

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Ein Beitrag von
Torsten Waschinski

Wer Prosigk in Richtung Köthen verlässt, kommt unweigerlich an ihm vorbei: einem Blumenautomaten, der am Ortsausgang still seinen Platz behauptet – und doch eine bewegende Geschichte erzählt. Er ist ein Symbol für Beharrlichkeit, für Leidenschaft und für den Mut zweier Menschen, trotz vieler Rückschläge weiterzumachen.

Schon bevor er nach Prosigk kam, war der Automat ein Teil des beruflichen Alltags von Bärbel Wiebusch und Wolfgang Brandenburger. Er stand direkt vor ihrem Blumenladen auf dem Köthener Friedhof und diente vor allem jenen, die außerhalb der Öffnungszeiten frische Blumen benötigten. Der Laden selbst lohnte sich irgendwann nicht mehr, doch der Automat wurde gut angenommen. Bis zu jenem Tag, an dem er aufgebrochen wurde – ein Schaden von 4.500 Euro, der das Paar hart traf.

Gleichzeitig lief der Pachtvertrag für den Friedhofsladen aus. Die Stadt forderte eine Ausschreibung, eine kurzfristige Lösung war nicht möglich. So mussten Wiebusch und Brandenburger räumen, obwohl sie gern weitergemacht hätten. Der Automat aber sollte bleiben – nur eben an einem neuen Ort. Seit Dezember 2024 steht er daher in Prosigk, auf ihrem Grundstück, sicherer, sichtbarer und näher an ihrem Alltag.

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Mit einem frisch gebundenen Strauß steht Bärbel Wiebusch vor dem Blumenautomaten in Prosigk, den sie täglich mit neuen Blumenarrangements füllt.

© Torsten Waschinski

Der Automat umfasst 13 Fächer, die Wiebusch täglich mit frischen Sträußen bestückt. Zwei- bis dreimal pro Woche fährt sie dafür nach Leipzig. Viele Sträuße bindet sie spät abends oder früh morgens vor der Arbeit, manchmal mit kaum Schlaf. Die Blumen stehen in kleinen wassergefüllten Vasen, das Gerät hält im Winter acht bis neun Grad und kühlt im Sommer entsprechend herunter. Abschalten kommt nicht infrage – Frost und technische Empfehlungen sprechen klar dagegen. Hier gibt es an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang frische Blumensträuße.

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