
Halle / Saalekreis
Die Region Halle (Saale) ist für viele Dinge bekannt: Händel, Halloren, Saline – und Braunkohle. Wer die Geschichte des Bergbaus erkunden will, hat dazu auf dem Braunkohlepfad die beste Gelegenheit.
Die Interessengemeinschaft Waldheil e.V wurde am 2. März 2000 gegründet mit den Zielen, den Heimatgedanken als sozialer Erfahrungs- und Zugehörigkeitsraum zu fördern, sich für Verkehrssicherheit und der Unfallverhütung zu engagieren sowie sich für Natur- und Umweltschutzes einzusetzen. Eine ausführliche Broschüre mit geschichtlichen Hintergrundinformationen, auch über den Braunkohleförderung hinaus, gibt es auf der Webseite der IG Waldheil e.V..

Ein Beitrag von
Nadja Reichert
Wanderwege gibt es viele in Sachsen-Anhalt und sie alle bieten Natur und Sehenswürdigkeiten. Thematische Schwerpunkte haben allerdings eher wenige. Zu finden sind diese zumeist in den Regionen im Harz. Doch auch im Flachland können Wanderfreunde noch mehr finden als nur grüne Landschaften und verschiedenes Terrain mit variablen Schwierigkeitsgraden.
Wer sich für das Thema Bergbau in der Region Halle (Saale) erfahren möchte, der traut sich auf den 23 Kilometer langen Braunkohlepfad. Verwaltet wurde er bis 2019 von der Interessengemeinschaft (IG) Waldheil e.V., bevor der Nietlebener Heimatverein e. V. übernahm. Auf 21 Stationen kann über Informationstafeln die Geschichte der Braunkohleförderung nachgespürt werden.
Ursprung der Braunkohleförderung in Lieskau
Der Weg des Braunkohlepfad verläuft entlang ehemaliger Kohlebahnpfade, beginnend in Teutschenthal und endend in Halle (Saale) an der Saline. „Der Pfad kann ganzjährig bewandert werden“, erklärt Dany Hambach, Sprecherin der IG Waldheil e.V. „In seiner heutigen Form wurde er zwischen den Jahren 2014 und 2016 für Wanderer richtig erschlossen. Es wurden Informationstafeln an der Wegstrecke aufgestellt, die Wegeführung beschildert und Broschüren gedruckt.“ Heute zieht der Braunkohlepfad nicht nur Wanderer an. „Viele nutzen ihn auch als Radwanderweg“, sagte Dany Hambach weiter.
Am Startpunkt in Teutschenthal lässt sich bereits einiges zur Braunkohleförderung entdecken, gab es doch hier im 19. Jahrhundert über zehn Gruben, in denen etwa 3,4 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert wurde. Noch früher datieren die Gruben im Langenbogen, der nächsten Statin des Pfads, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Weitere Einblicke in den Braunkohlebergbau finden Wanderer in der Bennstedter Flur. Hier wurde wahrscheinlich erstmals im Jahr 1795 Braunkohle entdeckt. Zunächst wurde die Kohle untertage in der Grube „Sophie“ abgebaut, ab dem 20. Jahrhundert im Tagebau. Restlöcher in der Flur zeugen noch von den Arbeiten. Wirklich zum Ursprung des Braunkohlebergbaus stößt man jedoch in Lieskau, wo die erste Braunkohle Deutschlands gefunden worden sein soll – dokumentiert in einem Lehnbuch der Magdeburger Erzbischöfe von 1382. In Lieskau selbst erinnert eine Stele an den Braunkohlefund.

Mit Infotafeln werden Wanderer über die Geschichte des Braunkohlebergbaus im Raum Halle (Saale) entlang des Braunkohlepfad informiert.
© Klaus Jürgen Fritz

Heute sieht man von der Wegführung der Kohlebahnen nichts mehr. Die Natur hat sich ihr Terrain zurückerobert.
Eine Braunkohlebahn von Pferden gezogen
Ein weiterer Hotspot für Braunkohle war die Gemeinde Nietleben, heute Stadtteil von Halle (Saale). Bestes Zeugnis der Kohlegewinnung gibt die ehemalige Grube Neuglücker Verein. So erfährt man etwa, dass eine Pferdeeisenbahn für den Transport der Braunkohle verwendet wurde, eine 3854 Meter lange Schmalspurbahn, die 1857 ihren Betrieb aufnahm. Der Pfad führt durch das Grüne Dreieck, auf dessen Areal sich u.a. ein Wasserspielplatz und ein Aussichtsberg mit Blick auf Halle-Neustadt befinden. Durch eine kleine Schlippe betritt man den Bad-Harzburger-Weg. Eine Infotafel weist auf den ehemaligen Tunneleingang der pferdegezogenen Kohlenbahn hin. Dieser ist heute mit einer Grasnarbe überwachsen. Der Braunkohlepfad passiert jedoch die einzige Öffnung des Tunnels, der sich auf der Yorckstraße befindet.
Die nächste Braunkohlestation ist eine ehemalige Kohlerutsche an der Wilden Saale. Hier trifft der ehemalige Weg der Kohlebahn auf den Weinberg von Bahrdt. Gemeistert wurde dieser durch einen etwa 80 m langen Tunnel, der in der Nähe eines heute vergitterten Treppenaufgangs am Weinbergweg liegt. Von hieraus passieren Wanderer das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie und erreichen die Schwanenbrücke an der Wilden Saale. Hier endet auch der Weg der alten Nietlebener Kohlebahn. Von nun an geht es durch viel Grün über die Peißnitzinsel, das Gut Gimritz, die Schafbrücke, den Sandanger und die Mansfelder Straße zum Zielpunkt des Braunkohlepfads an der Saline in Halle (Saale).