
Harz
Jetzt müssen die Fahrgäste es nur noch nutzen - so die große Hoffnung, als am Donnerstag, 30. Oktober 2025, das neue Nahverkehr-Bezahlsystem im Landkreis Harz vorgestellt wird.
Der Monatspreis liegt bei 58 Euro. „Im Unterschied zum Deutschlandticket werden wir im Harzkreis aber den Monatspreis bei 58 Euro stabil halten“, kündigt die HVG-Chefin an. HarZdigi sei ein lukratives Angebot, alle andere Bezahlmöglichkeiten blieben aber erhalten. Auch das bargeldlose Bezahlen beim Fahrer - allein aus dem Grund, weil HarZdigi ein personenbezogenes Bezahlformat ist. Genauer gesagt, ein kartenbezogenes, heißt, einchecken kann jeweils nur eine Karte. Man kann diese nicht zweimal vorhalten, um für jemand anderen zu zahlen. Wer zum Beispiel mit Kindern fährt, muss für diese vorn beim Fahrer bezahlen. Also für alle, die älter als sechs Jahre alt sind, bis dahin fahren Kinder ohnehin kostenlos mit. Übrigens, kontrolliert werden kann auch diese neue Bezahlform.
Abgerechnet wird über Nacht, das heißt, wer zum Beispiel für eine Dienstfahrt einen Beleg braucht, kann erst am nächsten Tag im Kundenportal von HarZdigi mit seiner Kartennummer Fahrten und Abbuchungen sehen und bei Bedarf ausdrucken. Der Landkreis Harz ist der erste in Deutschland, der die Nutzung des Nahverkehrs erleichtert. Mit einem neuen Bezahlsystem, das ohne Tarifzonensuche und Ticketkauf auskommt.
Die harzbewegt-App ist die offizielle, verkehrsmittelübergreifende Mobilitäts-App für den Landkreis Harz, die seit September 2024 verfügbar ist. Sie bietet Echtzeit-Fahrplanauskünfte für Bus, Straßenbahn und Zug, ermöglicht den digitalen Ticketkauf (z. B. HarZdigi) und beinhaltet Funktionen zur Buchung von On-Demand-Verkehr wie dem „harzbewegt-Taxi“.

Ein Beitrag von
Sabine Scholz
Das heißt „HarZdigi“, besticht mit Einfachheit und Preisvorteilen und ist deutschlandweit das erste regional tarifübergreifende System dieser Art in einem Landkreis. „Es ist ein faires System und umweltfreundlich“, sagt Dahlia Golla, die in der Kreisverwaltung das Modellprojekt „harzbewegt“ betreut. Über dieses 2022 gestartete Projekt sind unter anderem in allen Bussen der Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) sowie ihrer Partnerunternehmen und in den Stadtbussen und Straßenbahnen der Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG) rund 200 Validatoren eingebaut worden. Das sind kleine Kästen, an die man beim Einsteigen seine Bezahlkarte hält, mit der man auch beim Bäcker oder im Supermarkt zahlt. Auch mit der Bezahlfunktionen auf Handy und Smartwatch klappt es. Dabei ist egal, ob man nur eine Station mitfährt oder weitere Strecken zurücklegt, ob man mehrfach am Tag fährt oder nicht.
Einsteigen, einchecken, aussteigen, auschecken. Abgerechnet wird der beste Preis - und der liegt meist unter denen normalen Ticketpreisen. „Man muss sich keine Gedanken machen, welches Ticket für welche Tarifzone ich brauche“, nennt HVB-Projektkoordinator Mathias Janssen-Grubert einen Vorteil von HarZdigi. So soll vor allem für jene öffentlicher Nahverkehr schmackhaft gemacht werden, die den Aufwand sonst eher scheuten. Wo bekommt man Tickets, welcher Tarif ist zu wählen - alles Geschichte. „Wie gesagt, es ist meist günstiger“, betont Janssen- Grubert und nennt Beispiele. Im Stadtverkehr Wernigerode kostet die Fahrt vom Bahnhof zur nächsten Haltestelle Rendezvous normal 2,50 Euro. Mit HarZdigi nur 1,50 Euro - der Preis für fünf Minuten. Will man von Wernigerode nach Elbingerode, kostet die Einzelfahrt 5,30 Euro. Der 30-Minuten- Preis mit HarZdigi sind 3 Euro.
Auch wenn man länger fährt, von Halberstadt nach Dedeleben zum Beispiel, wird es preiswerter. Statt der 5,30 Euro für zwei Zonen werden nur 4 Euro fällig. „Von Quedlinburg nach Wernigerode oder nach Aschersleben spart man auch“, so Janssen-Grubert. Statt 6,80 Euro für die Einzelfahrt werden nur 6 Euro abgebucht. Das ist der 90-Minuten-Tarif. Und wer zurückfährt, zahlt am Ende des Tages maximal 8 Euro - das ist der Tagespreis, egal, wie oft und lange man an diesem Tag den Nahverkehr genutzt hat. Der Tagespreis wird auch fällig, wenn man das Auschecken vergessen hat. „Wer viel fährt, für den lohnt es sich besonders“, sag Claudia Stein.

Die neuen Check-in-Check-out-Systeme sind in den Stadtbussen der Halberstädter Verkehrsgesellschaft installiert.
© S. Scholz